Wie Abwehrmechanismen Ihre Beziehung zerstören

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(und was Sie dagegen tun können)

Ihre Beziehung läuft nicht rund? Ein Grund dafür könnte Ihre eigene Abwehrhaltung sein. Nicht ohne Grund nennt John Gottman die Abwehrhaltung als dritte der Vier Reiter der Apokalypse in Beziehungen. Das eigene Abwehrverhalten zu kontrollieren und zu regulieren, herunterreguliert wird, ist die „Arbeit” in “Beziehungsarbeit”.

Was? Ich soll defensiv sein?

Ich bin nicht defensiv!

DU bist derjenige, der immer defensiv ist!

Eine typische Reaktion auf Feedback, insbesondere wenn Sie defensiv sind, ist ein psychologisches Phänomen, das “Projektion“ genannt wird. Manche Menschen gehen sogar so weit, dass sie wütend werden und den anderen beschuldigen. Defensiv zu sein ist eine Reflexreaktion; wir alle haben diesen Reflex, aber in Beziehungen ist er toxisch.

Wir glauben, dass andere Menschen uns mit Absicht kränken. Andererseits tun wir unser mieses Verhalten als unwichtig ab. Wir neigen dazu, unsere eigenen Fehler auf externe Faktoren zurückzuführen (das Wetter, den Verkehr, COVID-19 usw.). Jemand anderem die Schuld zu geben, ist viel einfacher, als uns selbst eingehend zu betrachten und Verantwortung zu übernehmen.

Warum sind wir defensiv?

Wir reagieren defensiv, wenn wir eine Bedrohung wahrnehmen. Das ist ein angeborenes Verhalten, welches unseren Vorfahren das Leben retten konnte. In der heutigen Zeit jedoch geht es bei den wahrgenommenen Bedrohungen nicht mehr um Leben und Tod; dennoch ist der Drang, uns zu verteidigen, immer noch vorhanden.

Manche reagieren defensiv auf das defensive Verhalten eines anderen – eine Kettenreaktion. Defensives Verhalten ist ein komplexes und undurchsichtiges Thema. Unsere Verhaltensmuster entwickeln sich im Laufe unseres Lebens. Viele von ihnen lernen wir in der frühen Kindheit, wenn wir Schemata kopieren, die wir in unseren Familien erleben. Es braucht Reflexion, um sich ihrer bewusst zu werden; dies ist Teil des Arbeitsprozesses des persönlichen Reifungsprozesses. Defensives Verhalten wird auch durch Stress verursacht. Es ist der „Kampf“ in „Flucht oder Kampf“.

Abgesehen von den mentalen und emotionalen Faktoren gibt es Verhaltensweisen, die Menschen zu einer defensiven Reaktion veranlassen. Laut dem Psychologen Jack Gibb, Ph.D., hat defensive Kommunikation sechs Verhaltenskategorien, die bei Menschen defensive Reaktionen hervorrufen:

 Bewertung/Kritik – Das ständige Suchen (und Finden!) von Fehlern schafft ein Klima der Abwehrhaltung. Kritische Äußerungen sind wie ein verbaler Zeigefinger, haben einen anklagenden Ton und beginnen gewöhnlich mit „Du“.

2.     Kontrolle/Manipulation – Wir können sehr kreativ sein, um Menschen zu beeinflussen. Dennoch hat niemand gern das Gefühl, von jemand anderem benutzt zu werden.

3.     Strategie/Auf-der-Hut-sein/Zurückhalten von Informationen – Wenn jemand das Gefühl hat, im Unklaren gelassen zu werden (oder absichtlich nicht die nötigen Informationen bekommt), reagiert er defensiv.

4.     Neutralität/Distanziertheit – Schuldzuweisungen, Ausreden und rationalisierendes Verhalten führen dazu, dass der Empfänger Abwehrmechanismen entwickelt.

5.     Überlegenheit – Wenn man jemandem das Gefühl gibt, unterlegen zu sein, indem man seine Macht, seinen Status oder sein Wissen einsetzt, erzeugt man eine Abwehrhaltung.6.     Gewissheit (Dogmatismus) – So und nicht anders! Sie haben Unrecht! Entweder/oder und andere Facetten des „Alles-oder-nichts“-Denkens und der Kommunikation veranlassen Menschen zu einer defensiven Reaktion.

Wie man mit dem eigenen und dem defensiven Verhalten anderer Menschen umgeht

Der Umgang mit dem Abwehrverhalten anderer kann kompliziert und anstrengend sein, weil es schwierig ist, eine Person von ihrem Verhalten oder der Situation zu trennen. Und, wie bereits erwähnt, ist die Abwehrhaltung mancher Menschen so tief in ihrem Verhaltensmuster verwurzelt, dass es kaum eine realistische Chance auf dauerhafte Änderung gibt. Es gibt jedoch ein paar hilfreiche Strategien, um mit unserer eigenen und der Abwehrhaltung anderer umzugehen:

Beschreiben Sie, was mit Ihnen passiert, auf neutrale Weise, beginnend mit „Ich“: „Ich fühle mich gedemütigt, wenn du mich vor anderen niedermachst.“

2.     Konzentrieren Sie sich auf das Problem, nicht auf die Person: Versuchen Sie, die Situation zu verstehen, indem Sie Fragen stellen. Laden Sie die andere Person ein, ihre Sichtweise zu teilen: „Was denkst Du darüber?“ Es ist ein großer Unterschied, ob man Ihnen sagt, was Sie tun sollen, oder ob man Sie nach Ihrer Meinung fragt!

3.     Seien Sie ehrlich! Menschen verabscheuen es, benutzt zu werden, und werden es Ihnen verübeln, wenn Sie nicht mit offenen Karten spielen. Kommunizieren Sie offen und ehrlich. Sie kennen auch nicht alle Lösungen? Das ist nur menschlich, also gestehen Sie es ein. Fühlen Sie sich getriggert, weil Sie vermuten, dass jemand anderes eine versteckte Absicht hat und Sie benutzen will? Seien Sie ehrlich: „Ich habe das Gefühl, dass ich nicht alle Fakten kenne. Sag‘ mir, was Du wirklich willst, dann können wir eine Lösung finden.

4.     Empathie: Entwickeln Sie Selbsterkenntnis und emotionale Intelligenz. Selbsterkenntnis ist die Grundlage der emotionalen Intelligenz. Erforschen Sie die Ursachen für Ihr Abwehrverhalten durch Reflexion, oder suchen sich einen Coach oder Mentor. Was sind die Auslöser dafür, dass Sie sich bedroht fühlen? Ein besseres Selbstverständnis hilft Ihnen, Ihr Verhalten zu regulieren, und gibt Ihnen einen besseren Einblick in das Verhalten anderer. Aktives Zuhören ist eine gute Möglichkeit, Einfühlungsvermögen zu erlernen und dem anderen das Gefühl zu geben, gehört und verstanden zu werden.

5.     Gleichberechtigung: Behandeln Sie Menschen als Gleichberechtigte – Gehen Sie auf andere Menschen zu und helfen Sie Ihnen, sich gleich berechtigt zu fühlen. Nehmen Sie sich Zeit, um ihre Bedürfnisse zu erkennen, zu entdecken, was ihnen wichtig ist, und ihre Bedenken zu verstehen. Sie glauben, Sie sind der/die Schlauste? Dann denken Sie nochmal nach. Es gibt Talente, die andere Menschen haben, die Situationen/Projekten/Beziehungen eine einzigartige Stärke verleihen können.

6.     Seien Sie flexibel und gehen Sie von Dogmatismus zu Offenheit über. Je weniger Menschen sich „Entweder-oder“-Entscheidungen gezwängt fühlen, desto weniger bedrohlich erleben sie die Situation. Natürlich gibt es Zeiten, in denen Dinge auf eine bestimmte Art und Weise erledigt werden müssen. Wenn Sie die Situation jedoch einer offenen Haltung angehen und nicht „so und nicht anders“, werden Sie eine offenere und bessere Antwort erhalten.

Abwehrmechanismen zerstören Beziehungen von innen heraus. Sie schaffen ein Klima des Streits und der Spannung. Die Folgen sind Vertrauensverlust, Entfremdung und Trennung. Das Gegenteil von Abwehr ist Offenheit. Sie schafft eine Atmosphäre der Freiheit, des Wachstums, des Respekts und des Vertrauens. 

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